Vom Fusel zur Leidenschaft

Seit nun knapp eineinhalb Jahren steht das Getränk Malt Whisky in meinem Fokus. Nun ist es, da ich mich eingehender damit beschäftige, kaum noch wegzudenken. Whisky ist, aus dem Blickwinkel eines jungen Burschen mit frischer Fachhochschulreife, nicht mehr als eine weitere Art von Fusel. Den kennt man, über den weiß man aber nichts, außer ob er einem selber was als Party-Fusel taugt oder nicht. Wie kommt man also dazu, solch ein Getränk überhaupt mal näher zu betrachten, geschweige denn eine Leidenschaft dafür zu entwickeln? Nun, es fing alles mit dem Geburtstagsgeschenk eines Freundes und dem Arbeitsplatz einer Freundin an.

Whisky aus Eichenholzfässern?

Fässer aus Eichenholz

Bis dato war mir Whisky nur aus den extravaganten Werbeclips von Jack Daniels oder Jim Beam bekannt, in denen die männlichsten Männer Fässer aus Eichenholz schlagen. Nicht aber habe ich gewusst, was sich tatsächlich meiner Aufmerksamkeit entzogen hatte, nämlich das, wovon man im Fernseher nichts hört, Malt Whisky. Der Freund, der für heutige Verhältnisse recht viel Klasse besitzt, bekam von uns, seinem Freundeskreis, ausgehend von der Idee der Freundin, einen Gutschein für die Whisky-Probe im Einstein geschenkt. Das Geschenk kam zwar sehr gut an, er freute sich. Doch alleine wollte er nicht hingehen, so begleitete ich ihn.

Das erste Tasting

Whiskygläser auf einem Tablett

Wir saßen am Tisch mit langjährigen Stammgästen in heiterer und aufgeschlossener Stimmung, bei der man sich sofort gut fühlt. Mein erstes Tasting! Zum Spektakel gehört die Verkostung fünf verschiedener Single Malts und ein informativer Vortrag mit anschließendem Quiz. Das aller erste Mal riechen und schmecken war was ganz Besonderes für mich. Ich war verblüfft, was für ein Spektrum an Aromen mich da erschlug. Eine Entdeckung, gleich, als hätte man sein Leben lang die erbarmungslose Trockenheit und Hitze der Wüste ertragen, um eines Tages Zeuge zu werden, wie metergroße Süßwasserwellen die Dünen schlagen. Der Whisky schmeckte nicht einfach nach Alkohol, er hatte einen Charakter! Auch die Menge an Informationen, die auf mich einprasselte, war schier überwältigend. Dazu kommt, dass der mit dem Alkohol einhergehende Rausch ein ganz anderer ist. Ein vollkommen anderer, als ich ihn bisher erlebt hatte.

Whisky als Leidenschaft

Whiskyflaschen im Regal

Ein weiteres mal war ich noch zur Probe in der Gaststätte Einstein, bevor ich selbst Angestellter dort wurde. Von nun an sollte ich regelmäßig neues über Whisky erfahren. Über seine sehr tiefgründige Geschichte, über seine Eigenschaften, über seinen Wert. Es faszinierte mich, wie viel doch aus einem Fusel für mich werden konnte, und nun wunderte ich mich, wie solch eine Sensation den meisten Menschen meines Umfelds schier unbekannt war. Einer der Gründe wird wohl sein, das dem Malt wohl eher etwas altmodisches anhaftet. Whisky wird oft oberflächlich mit noblen Männern und intellektueller Gesellschaft verbunden, was zum Teil auch stimmen mag. Gerade bei den jüngeren, denen meines Alters, ist es kaum verwunderlich, warum daran keiner Interesse zeigt. Oder vielleicht interessiert es die meisten auch nicht, was genau den eine Alkohol vom anderen unterscheidet, dass Whisky mehr ist als nur eine Spirituose. Ich für meinen Teil will von nun an mehr in das für mich noch mysteriöse Wissen hinter dem Whisky eintauchen, denn jetzt – jetzt dürstet es mich nach mehr.

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